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Das erste moderne Comic

Als Geburtsstunde des modernen Comics gilt das Werk Yellow Kid, das im Jahre 1895 in den USA erschien und die Lebensgeschichten des liebenswerten Jungen mit den Segelohren zum Thema nahm. In ihm sind alle Bestandteile eines modernen Comics enthalten: die sequenziellen Bildfolgen, die Sprechblasen und die Rahmen (Panel), in denen die Geschichten integriert sind und somit aus einer Abfolge mehrerer Rahmen bestehen. Als Vorläufer der Comics werden Bildergeschichten mit wenig bis gar keinem Text betrachtet, die Grundzüge der ersten Comics erkennen lassen, aber noch nicht alle Kriterien erfüllen. So sind beispielsweise die Bildergeschichten von Wilhelm Busch Vorläufer von Comics, aber noch keine eigentlichen Comics, weil sie noch keine Sprechblasen enthalten. Eine Lexikongeschichte von Corian bietet eine unterhaltsame und gründliche Darstellung zur Geschichte der Comics.

Das Bild kam vor der Sprache

Die Sprache hat sich erst seit der Sesshaftwerdung des Menschen ausdifferenziert. Vor allem komplexe Zivilisationen erforderten für das Staatsvolk einen komplexen Sprachgebrauch, um die Komplexität der Wirklichkeit erkennen und wiedergeben zu können. Die zunehmende Sprachgewalt vor allem der gebildeten Schichten des abstrakt erscheinenden Staatswesens besaß neben der funktionalen Bestimmung der Sprache zunehmend ein künstlerisches Element, da die Sprache auch die künstlerisch-ästhetischen Bedürfnisse eines Volks zu stillen verhalf. In der griechischen Poleiswelt entstanden renommierte Rhetorikschulen als Sprungbretter für die eigene Karriere sowie bedeutende Theaterwerke wie „Die Perser“ von Aischylos. Im Imperium Romanum avancierten die Schriften von Caesar, Cicero und Seneca zu prägenden Säulen der abendländischen Kultur. Insofern ist evolutionstheoretisch zu konstatieren, dass vor dem Wort das Bild kam, das der Mensch in vielfältiger Ausformung in seinem Geist hatte, bevor er dazu in der Lage war, die gedanklichen Bilder und auch Vorstellungen in ein sprachliches Gewand zu kleiden.

Von den Höhlenmalereien zu Wilhelm Busch

Aus diesem Grunde sind die ersten Kulturerzeugnisse der Urmenschen bildnerische Gestaltungen und keine Werke von literarischem Gehalt. Die Höhlenmalereien der Urmenschen reflektierten ihre Lebensweise. Es dominieren Darstellungen von Tieren wie dem Auerochsen, dem Mammut und dem Wisent sowie Bilder von der Jagd. Gelegentlich sind die Darstellungen bereits kunstvoll abstrahiert wie zum Beispiel bei Darstellungen der Sonne. Dabei ist es umstritten, ob dabei künstlerische oder kultische Motive im Vordergrund standen. Auch in der Hochkultur des Alten Ägyptens sind zahlreiche plastische Darstellungen in sequenzierten Abfolgen in den Papyri bekannt. Die Römer kreierten Abfolgen auf ihre Säulen, die Normannen hielten ihre Erfolge bei der Eroberung Englands in Hastings 1066 in einer konzentrierten Bildabfolge auf dem Teppich von Bayeux für die Nachwelt fest. Mit dem Buchdruck erfuhr auch die zusammenhängende Abfolge von Bildern als literarische Gattung einen Aufschwung. Beliebt war diese Gattung in den Martyrer- und Moralgeschichten. In seinem „Narrenschiff“ hielt Sebastian Brandt 1497 112 menschliche Laster jeweils in einem satirischen Bild fest, um seine Leser dazu zu erziehen, den rechten Weg nicht zu verlassen. Die Bildergeschichten von Wilhelm Busch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gelten als direkte Vorläufer der Comics und erinnern bereits stark an die später eigene Gattung des Comics.

Der Siegeszug der Comics

Nach Yellow Kid entstanden nun schnell hintereinander mehrere Formate, die sich immer mehr Anhänger erfreuen konnten. Ob Tim und Struppi, Micky Maus und Donald Duck, Superhelden wie Superman, Spiderman, Batman und Co, Prinz Eisenherz, Isnogud der Großwesir oder Asterix, in den folgenden Jahrzehnten entstanden Werke, die heute in aller Welt bekannt sind. In den 1950er Jahren folgten Angriffe auf die Comics wegen eines angeblich schädigenden Einflusses auf die Jugend, die zu dem sogenannten Comic-Code führten. In diesem verpflichteten sich die bekanntesten Hersteller von Comicwerken dazu, Verbrecher ausschließlich böse erscheinen zu lassen und auf Pornografie und realistische Gewaltdarstellungen zu verzichten. Der Vorwurf, Comics verdürben die Jugend, gilt heute als überholt. Der künstlerische Anspruch von Comics, ihr oft subtiler Gehalt und die Ausdrucksstärke ihrer komprimierten Form, werden zunehmend anerkannt. Ab den 1980er Jahren differenzierte sich die Welt der Comics weiter aus. Es entstanden mit den Graphik-Novels Comics in gebundener Buchform für Erwachsene, während der asiatische Einfluss, wo Comics auf einer langen Tradition beruhen und weltweit am beliebtesten sind, sich auch in den westlichen Gesellschaften zunehmend durchsetzt, wie zum Beispiel die zunehmende Popularität von Mangas, den japanischen Comics, beweist.

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